Was ist "sexuelle Gesundheit" und wie betrifft es mich?

Wenn wir von „Gesundheit“ sprechen, dürfen wir dies als unser höchstes Gut erachten. Oftmals scheint das Leben so fordernd, dass wir uns erst mit dem Thema Gesundheit beschäftigen, wenn wir krank werden oder es bereits sind. Da nun der Herbst definitiv vor der Tür steht, und dies nicht nur wegen der kühlen Temperaturen klar spürbar ist, scheint mir das Thema Gesundheit aufzugreifen passend. Als Sexolog:in möchte ich natürlich meine Gedanken zum Thema sexuelle Gesundheit mit euch teilen und somit für ein bisschen gedankliche Wärme sorgen! 🙂

Was bedeutet sexuelle Gesundheit und wie hat sie sich entwickelt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt sich mit zahlreichen gesundheitlichen Aspekten und Themen auseinander. Sie ist eine Organisation der Vereinten Nationen für die öffentliche Gesundheit und hat ihren Sitz in Genf.
Folgende Definition von sexueller Gesundheit wurde (1974/75) festgehalten und mit den Jahren weiter entwickelt:

„… der Zustand körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Wohlbefindens bezogen auf die Sexualität und bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, Funktionsstörungen oder Schwäche.“
„Sexuelle Gesundheit erfordert sowohl eine positive, respektvolle Herangehensweise an Sexualität und sexuelle Beziehungen als auch die Möglichkeit für lustvolle und sichere sexuelle Erfahrungen, frei von Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt.“

https://www.sexuelle-gesundheit.ch/ueber-uns/ziele

Beim Lesen wird deutlich, dass sexuelle Gesundheit meint, dass die Erhaltung der Gesundheit im Zentrum steht. Die positiven Aspekte werden hervorgehoben, damit Sexualität in einem sicheren Rahmen wachsen und sich entwickeln kann. In unserem Alltag beschäftigen wird uns hingegen meistens mit der Entstehung von Krankheit(en) (Salutogenese vs. Pathogenese). Dies soll in diesen Zeilen keine Rolle spielen.
Grundlegend für das Konzept der sexuellen Gesundheit sind auch unsere Rechte auf sexuelle Information und das Recht auf Lust. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, kannst du dir über den Link einen Überblick verschaffen.

Sexuelle Rechte | Sexuelle Gesundheit Schweiz (sexuelle-gesundheit.ch)

Das Recht auf sexuelle Information und und das Recht auf Lust wird meiner Meinung nach meistens Kindern abgesprochen, weil sie den Erwachsenen nach nicht „reif“ genug erscheinen.
Bei meiner Arbeit mit Kindern merke ich sehr wohl, dass sie neugierig sind, und dass wir sie altersgerecht informieren und begleiten können – dazu gehört auch das Thematisieren von Sexualität.
Die abgesprochenen Rechte können sich später bei Jugendlichen und schliesslich bei erwachsenen Personen bemerkbar machen. Es gibt so viele Mythen und Klischees zum Thema Sexualität, sodass es scheint, wir haben hie und da etwas verpasst, das unsere aktuelle Realität beeinflusst und gewisse Menschen auch leiden lassen kann. Folglich kommen diese leidenden Menschen dann auch zu mir in die Sexualberatung.

Hier ein Beispiel zum Thema sexuelle Mythen:

„Männer* haben immer Lust auf Sex „

Ist das wirklich so? Wissenschaftlich gesehen betrifft das Thema Lustlosigkeit tatsächlich mehr Frauen*. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Tatsache, dass Männer* lustlos seien, negative Auswirkungen auf das gesellschaftliche Selbstbild von Männern* in unserer Gesellschaft hat. Deshalb wird auch weniger darüber gesprochen und findet dann auch in wissenschaftlichen Studien keinen Platz. Dieses Phänomen beschreiben auch C. Neuhof und U. Hartmann in ihrem Kapitel „Männliche Luststörungen“, das im Buch „Sexualmedizin für die Praxis“ zu finden ist. Neuhof C, Hartmann U. (2022). Männliche Luststörungen, S. 233-250

In meiner Praxis in Basel ist das Verhältnis von Frauen* und Männern*, bezüglich Lustlosigkeit, relativ ausgeglichen. Ich gehe jedoch auch davon aus, dass viele Männer* nicht in meine Praxis finden, weil sie sich dafür schämen oder dem Thema Sexualität irgendwann ganz aus dem Weg gehen und vielleicht auch andere sexuelle Funktionsstörungen entwickeln. Vielleicht ist das dann eine Möglichkeit an der eigenen Sexualität zu arbeiten.
Deutlich wird, dass Menschen leiden können, wenn es um das Thema Lustlosigkeit geht. Frauen*, weil ihnen die Lust abgesprochen wird, und Männern* der Druck auferlegt wird, funktionieren zu müssen.

Weitere Mythen und Klischees, welche ich immer wieder antreffe:

  • Nur Frauen täuschen einen Orgasmus vor
  • Beim ersten Sex reisst das Jungfernhäutchen
  • Je grösser der Penis, desto besser der Sex
  • Übermässiges Onanieren kann zur Sucht führen

Diese Mythen können noch ewig weiter geführt werden und vielleicht fällt auch dir eine ein, so kannst du sie in den Kommentaren einfügen! Bin gespannt. 🙂

Abschliessend möchte ich festhalten, dass sexuelle Gesundheit genau so ihren Platz in unserem Leben verdient hat und uns alle gleichermassen betrifft. Dies gilt für alle Altersgruppen!
Betrachten wir sie doch als eine exzellente Praline, die wir geniessen können, und die ein Leben lang haltbar und geniessbar sein kann!

ein Portrait von Melina Dobroka

Melina Dobroka, Sexologin, Basel

Aktuelle Beiträge

Der Penis muss dauernd funktionieren und stehen. Was ist jedoch, wenn dies nicht der Fall ist?

Erektionsstörungen als Folge von Druck

Druck hat erhebliche Konsequenzen auf die Erektion. Hier beleuchte ich was Erektionsstörungen sind, welche Gründe dies haben kann, und wie ich in der Therapie damit arbeite.

Eins schon mal vorweg: Die Erektionssfähigkeit eines Menschen verändert sich im Lauf des Lebens. So ist es auch absolut normal, dass die Erektion einmal nicht funktioniert oder schwankt!

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Zyklus 3

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Die Schüler:innen…

… kennen Anlaufstellen für Problemsituationen (z.B. Familie, Schule, Sexualität, Belästigung, Gewalt, Sucht, Armut) und können sie bei Bedarf konsultieren. (Beratung, Therapie, Selbsthilfe)

… kennen psychische Veränderungen in der Pubertät (z.B. verstärkte Scham und Befangenheit, veränderte Einstellung zum eigenen Körper, erwachendes sexuelles Interesse) und wissen, dass diese zur normalen Entwicklung gehören

… können Erfahrungen und Erwartungen in Bezug auf Geschlecht und Rollenverhalten in der Gruppe formulieren und respektvoll diskutieren (z.B. Bedürfnisse, Kommunikation, Gleichberechtigung).

… können Darstellungen von Männer- und Frauenrollen sowie Sexualität in Medien auf Schönheitsideale und Rollenerwartungen analysieren und Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung kritisch betrachten.

…reflektieren eigene Erwartungen und Anspruche in ihrem Umfeld an Beziehungen, Freundschaften, Partnerschaft und Ehe.(Freundschaft, Partnerschaft, Ehe)

… verbinden Sexualität mit Partnerschaft, Liebe, Respekt, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung und können sexuelle Orientierungen nichtdiskriminierend benennen. (Hetero-, Homosexualität)

… kennen ihre Rechte im Umgang mit Sexualität und respektieren die Rechte anderer. (Selbstbestimmung, Schutzalter, sexuelle Orientierung, Schutz vor Abhängigkeit und Übergriffen)

… können Verhaltensweisen und ihre Auswirkungen im Bereich Sexualität kritisch beurteilen. (Risiken, Übergriffe, Missbrauch, Pornografie, Promiskuität, Prostitution)

… verfügen über ein altersgemässes Grundwissen über die menschliche Fortpflanzung, sexuell übertragbare Krankheiten und Möglichkeiten zur Verhütung.

… kennen die Wirk- und Anwendungsweise verschiedener Mittel und Methoden zur Empfängnisverhütung und können deren Risiken und Nebenwirkungen vergleichen

… kennen Krankheiten, die häufig sexuell übertragen werden, und können erläutern, wie man sich davor schützt.

… wissen um die Verantwortung beider Geschlechter für Empfängnis und Verhütung.

…kennen altersgemässe Medien und Informationsquellen zur Sexualaufklärung.

…können Chancen und Risiken der Mediennutzung benennen und Konsequenzen für das eigene Verhalten ziehen (z.B. Vernetzung, Kommunikation, Cybermobbing, Schuldenfalle, Suchtpotential).

Folgende Themen ergeben sich aus diesen Kompetenzen:

  • Gruppenzwang
  • Pornografie: Umgang und Gefahren
  • Medien
  • Verhütung
  • Geschlechtskrankheiten
  • erstes Mal
  • weitere

Themen für weiterführende Schulen:

  • Beziehungen
  • Lebensstile
  • Medien
  • Verhütung
  • Geschlechtskrankheiten
  • sexuelle Rechte
  • Berufsspezifische Themen

Zyklus 2

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Die Schüler:innen…

…setzen sich mit dem Zusammenhang von Freundschaft, Liebe und Sexualität auseinander.
…können Qualitäten von Freundschaft und Liebe beschreiben (z.B. Zuneigung, Vertrauen, Gleichberechtigung)
… können über die zukünftige Entwicklung zu Frau und Mann nachdenken
… können Veränderungen des Körpers mit angemessenen Begriffen benennen. (Stimmbruch, Menstruation)
… verstehen Informationen zu Geschlechtsorganen, Zeugung, Befruchtung, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt. (Bau und Funktion der Geschlechtsorgane)
… erhalten die Möglichkeit Fragen und Unsicherheiten bezüglich Sexualität zu äussern
… können Geschlechterrollen (z.B. Merkmale, Stereotypen, Verhalten) beschreiben und hinterfragen sowie Vorurteile und Klischees in Alltag und Medien erkennen
… können Vor- und Nachteile direkter Erfahrungen, durch Medien oder virtuell vermittelter Erfahrungen benennen und die persönliche Mediennutzung begründen.

Folgende Themen ergeben sich aus den Kompetenzen des Lehrplan 21:

  • Pubertät (körperliche Veränderungen)
  • Menstruation
  • Erektion
  • erster Samenerguss
  • erster Kuss
  • Verliebtsein, Liebe
  • Beziehungen
  • Bedeutung von Sexualität
  • Pornografie: Umgang und Informationen
  • sexuelle Orientierung, sexuelle Identität

Zyklus 1

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Schüler:innen…

… können Unterschiede im Körperbau von Mädchen und Knaben mit angemessenen Begriffen benennen.
… können anhand von Beispielen Rollenverhalten beschreiben und vergleichen.

Folgende Themen ergeben sich aus den Kompetenzen des Lehrplan 21:

  • Ich und mein Körper
  • Mädchen/Jungs
  • Gender
  • Freundschaft, Liebe