Wie beeinflusst Scham in der Sexualität unser körperliches Erleben?

Übersicht

  1. Wie entsteht Scham in der Sexualität?
  2. Wie Scham sich im Körper zeigt
  3. Der Körper als Schlüssel zum Verständnis von Scham in der Sexualität
  4. Wie sich der Umgang mit Scham verändern kann
  5. Bücher zum Thema Scham und Sexualität

Scham gehört zu den häufigsten, aber gleichzeitig am wenigsten besprochenen Gefühlen in der Sexualität. Viele Menschen erleben sie irgendwann in ihrem Leben, oft ohne genau zu verstehen, woher sie kommt oder warum sie so stark sein kann. In intimen Situationen kann Scham dazu führen, dass wir uns zurückziehen, unseren Körper weniger spüren oder Schwierigkeiten haben, Lust zuzulassen. Die Sexualität ist ein Bereich unseres Lebens, in dem wir uns besonders verletzlich zeigen. Genau deshalb kann Scham hier eine grosse Rolle spielen.

In meiner Arbeit als Sexolog:in sehe ich immer wieder, wie deutlich die Auswirkungen der Scham auf den Körper sind. Menschen berichten von Anspannung, flacher Atmung oder davon, dass sie ihren Körper in intimen Momenten weniger wahrnehmen. Scham ist deshalb nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine körperliche Erfahrung.

Um Scham in der Sexualität besser zu verstehen, lohnt es sich deshalb, sowohl auf ihre Entstehung als auch auf ihre Wirkung im Körper zu schauen. In diesem Blog erfährst du, wie Scham entstehen kann, wie sie sich im Körper zeigt und welche Rolle der Körper dabei spielt, wenn sich der Umgang mit Scham verändern darf.

Scham gehört zu den häufigsten, aber gleichzeitig am wenigsten besprochenen Gefühlen in der Sexualität.
Scham gehört zu den häufigsten, aber gleichzeitig am wenigsten besprochenen Gefühlen in der Sexualität.

Foto von David Werbrouck auf Unsplash

1. Wie entsteht Scham in der Sexualität?

Scham ist kein Gefühl, mit dem wir geboren werden. Wir lernen sie im Laufe unseres Lebens. Schon früh nehmen wir wahr, welche Reaktionen unser Verhalten bei anderen Menschen auslöst. Wenn bestimmte Themen, Körperteile oder sexuelle Fragen mit Schweigen, Kritik oder peinlichen Reaktionen beantwortet werden, kann sich daraus Scham entwickeln.

Gerade im Bereich der Sexualität entstehen viele dieser Botschaften indirekt. Vielleicht wurde über Sexualität kaum gesprochen, vielleicht wurde sie als etwas Privates oder Unangenehmes dargestellt. Auch gesellschaftliche Vorstellungen darüber, wie Körper auszusehen haben oder wie Sexualität „sein sollte“, prägen unser Selbstbild. Mit der Zeit können sich daraus innere Überzeugungen entwickeln, die unser sexuelles Erleben beeinflussen.

Diese erlernten Erfahrungen können dazu führen, dass Menschen ihren Körper kritischer betrachten, sich für ihre Wünsche schämen oder sich in intimen Momenten unsicher fühlen. Scham wird so zu einem Gefühl, das eng mit unseren Erfahrungen, unserem Körperbild und unserem Verständnis von Sexualität verbunden ist.

Kennst du das auch? Deine Scham lähmt dich, und du kannst Sexualität nicht so geniessen, wie du es dir eigentlich wünschst. Wenn du dich in diesem Thema wiedererkennst und deine Sexualität besser verstehen möchtest, findest du hier mehr Informationen zu meinem Angebot:

2. Wie Scham sich im Körper zeigt

Scham ist eine Emotion, die sehr stark körperlich spürbar sein kann. Viele Menschen erleben in Momenten von Scham körperliche Reaktionen wie Anspannung, flache Atmung oder den Impuls, sich zurückzuziehen. Der Körper versucht gewissermassen, sich zu schützen und weniger sichtbar zu sein.

Diese Reaktionen können das sexuelle Erleben direkt beeinflussen. Wenn der Körper angespannt ist oder wenn die Atmung eingeschränkt wird, fällt es oft schwerer, Erregung aufzubauen oder Lust intensiv zu spüren. Manche Menschen merken, dass sie ihren Körper während sexueller Begegnungen weniger wahrnehmen oder dass sie gedanklich stark mit Selbstbeobachtung beschäftigt sind.

Scham kann deshalb dazu führen, dass Menschen ihr sexuelles Erleben als blockiert oder eingeschränkt wahrnehmen. Sie fühlen sich weniger verbunden mit ihrem Körper oder mit ihrem Gegenüber.

Scham ist eine Emotion, die sehr stark körperlich spürbar sein kann.
Foto von Nicholas Kwok auf Unsplash

3. Der Körper als Schlüssel zum Verständnis von Scham in der Sexualität

In meiner Arbeit als Sexolog:in arbeite ich mit dem Modell Sexocorporel, bei dem der Körper im Zentrum des sexuellen Erlebens steht. Sexualität verstehe ich als ein Zusammenspiel von körperlichen Prozessen, Emotionen und Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens lernen. Deshalb schauen wir in der Therapie nicht nur auf Gedanken oder Gefühle, sondern auch darauf, was sich beim Sex auf der körperlichen Ebene abspielt.

Gemeinsam erkunden wir zum Beispiel, wie Atmung, Körperbewegung und Muskelspannung das sexuelle Erleben beeinflussen. Diese körperlichen Prozesse spielen eine wichtige Rolle dafür, wie Lust entsteht und wie intensiv sie wahrgenommen werden kann.

Wenn Scham eine grosse Rolle spielt, zeigt sich das oft auch körperlich. Viele Menschen halten unbewusst Spannung im Körper, atmen flacher oder bewegen sich vorsichtiger. Dadurch kann es schwieriger werden, Lust frei zu erleben oder sich im eigenen Körper wohlzufühlen.

In der Therapie unterstütze ich meine Klient:innen dabei, ihre körperlichen Reaktionen besser wahrzunehmen und zu verstehen. Durch dieses bewusste Wahrnehmen des Körpers entsteht häufig ein neues Verständnis für das eigene sexuelle Erleben. Schritt für Schritt können so neue Erfahrungen möglich werden und der Zugang zur Lust und dem eigenen Körper können sich verändern.

Wenn du möchtest, kannst du ein Kennenlerngespräch buchen. Über den folgenden Link gelangst du direkt zu meinem Kalender und kannst einen passenden Termin auswählen:

4. Wie sich der Umgang mit Scham verändern kann

Scham verschwindet selten von einem Tag auf den anderen. In meiner Praxis erlebe ich häufig, dass sie über viele Jahre entstanden ist und mit persönlichen Erfahrungen, Erwartungen oder früheren Begegnungen verbunden ist. Deshalb braucht es Zeit und neue Erfahrungen, damit sich der Umgang mit ihr verändern kann.

Ein wichtiger Teil dieses Prozesses ist, dass Menschen beginnen, ihren Körper wieder bewusster wahrzunehmen. Viele haben gelernt, ihren Körper vor allem zu beurteilen oder zu kontrollieren. Wenn die Aufmerksamkeit stattdessen auf Empfindungen gerichtet wird, verändert sich oft auch das Erleben. Kleine Veränderungen in der Atmung, in der Bewegung oder in der Wahrnehmung können bereits dazu beitragen, dass sich der Körper sicherer anfühlt.

Mit der Zeit entsteht dadurch häufig mehr Vertrauen in den eigenen Körper. Der Fokus verschiebt sich von Bewertung und Selbstbeobachtung hin zu Wahrnehmung und Erfahrung. Der Körper wird nicht mehr als etwas erlebt, das funktionieren muss, sondern als eine Quelle von Empfindungen, Lust und Lebendigkeit.

Scham verschwindet selten von einem Tag auf den anderen.
Foto von Sasha Freemind auf Unsplash

5. Bücher zum Thema Scham und Sexualität

Wer sich intensiver mit dem Zusammenhang zwischen Scham und Sexualität beschäftigen möchte, kann auch von weiterer Fachliteratur profitieren. Hier zwei Bücher, welche ich gerne empfehle:

Ein sehr empfehlenswertes Buch ist „Come as You Are“ („Komm wie du willst“) von Emily Nagoski. Die Autorin erklärt verständlich, wie sexuelle Lust entsteht und welche Rolle Erwartungen, Stress und Selbstbild dabei spielen.

Auch das Buch „Don’t miss the Clitoris – eine Bedienungsanleitung“ von Mandy Mangler bietet spannende und aktuelle Einblicke in weibliche Lust und Sexualität. Die Gynäkolog:in erklärt verständlich die Anatomie und Funktion der Klitoris und zeigt, wie wenig Wissen darüber noch immer verbreitet ist. Das Buch trägt dazu bei, Mythen über Sexualität abzubauen und den eigenen Körper besser zu verstehen. 

Scham verschwindet selten von einem Tag auf den anderen.
Scham verschwindet selten von einem Tag auf den anderen.

Foto von George Liapis auf Unsplash

Scham ist ein menschliches Gefühl und spielt in der Sexualität vieler Menschen eine Rolle. Sie entsteht häufig durch Erfahrungen, gesellschaftliche Erwartungen oder innere Überzeugungen. Gleichzeitig zeigt sich Scham nicht nur in Gedanken, sondern auch deutlich im Körper.

Der körperorientierte Ansatz der Sexologie nach dem Modell Sexocorporel macht sichtbar, wie eng körperliches Erleben und sexuelle Gefühle miteinander verbunden sind. Wenn Menschen lernen, ihren Körper besser wahrzunehmen und zu verstehen, kann sich auch ihr Verhältnis zur eigenen Scham verändern.

Für viele Menschen öffnet sich dadurch ein neuer Zugang zu ihrer Sexualität, der von mehr Selbstverständlichkeit, mehr Körperbewusstsein und mehr Lust geprägt ist. Und das ist ein grosses Geschenk!

Wenn dich dieses Thema interessiert, findest du auf meinem Blog weitere Artikel rund um Sexualität, Körperwahrnehmung und Lust. Dort teile ich Wissen aus der Sexologie und meiner Praxis, das dir helfen kann, deine eigene Sexualität besser zu verstehen.

ein Portrait von Melina Dobroka

Melina Dobroka, Sexologin, Basel

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Zyklus 3

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Die Schüler:innen…

… kennen Anlaufstellen für Problemsituationen (z.B. Familie, Schule, Sexualität, Belästigung, Gewalt, Sucht, Armut) und können sie bei Bedarf konsultieren. (Beratung, Therapie, Selbsthilfe)

… kennen psychische Veränderungen in der Pubertät (z.B. verstärkte Scham und Befangenheit, veränderte Einstellung zum eigenen Körper, erwachendes sexuelles Interesse) und wissen, dass diese zur normalen Entwicklung gehören

… können Erfahrungen und Erwartungen in Bezug auf Geschlecht und Rollenverhalten in der Gruppe formulieren und respektvoll diskutieren (z.B. Bedürfnisse, Kommunikation, Gleichberechtigung).

… können Darstellungen von Männer- und Frauenrollen sowie Sexualität in Medien auf Schönheitsideale und Rollenerwartungen analysieren und Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung kritisch betrachten.

…reflektieren eigene Erwartungen und Anspruche in ihrem Umfeld an Beziehungen, Freundschaften, Partnerschaft und Ehe.(Freundschaft, Partnerschaft, Ehe)

… verbinden Sexualität mit Partnerschaft, Liebe, Respekt, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung und können sexuelle Orientierungen nichtdiskriminierend benennen. (Hetero-, Homosexualität)

… kennen ihre Rechte im Umgang mit Sexualität und respektieren die Rechte anderer. (Selbstbestimmung, Schutzalter, sexuelle Orientierung, Schutz vor Abhängigkeit und Übergriffen)

… können Verhaltensweisen und ihre Auswirkungen im Bereich Sexualität kritisch beurteilen. (Risiken, Übergriffe, Missbrauch, Pornografie, Promiskuität, Prostitution)

… verfügen über ein altersgemässes Grundwissen über die menschliche Fortpflanzung, sexuell übertragbare Krankheiten und Möglichkeiten zur Verhütung.

… kennen die Wirk- und Anwendungsweise verschiedener Mittel und Methoden zur Empfängnisverhütung und können deren Risiken und Nebenwirkungen vergleichen

… kennen Krankheiten, die häufig sexuell übertragen werden, und können erläutern, wie man sich davor schützt.

… wissen um die Verantwortung beider Geschlechter für Empfängnis und Verhütung.

…kennen altersgemässe Medien und Informationsquellen zur Sexualaufklärung.

…können Chancen und Risiken der Mediennutzung benennen und Konsequenzen für das eigene Verhalten ziehen (z.B. Vernetzung, Kommunikation, Cybermobbing, Schuldenfalle, Suchtpotential).

Folgende Themen ergeben sich aus diesen Kompetenzen:

  • Gruppenzwang
  • Pornografie: Umgang und Gefahren
  • Medien
  • Verhütung
  • Geschlechtskrankheiten
  • erstes Mal
  • weitere

Themen für weiterführende Schulen:

  • Beziehungen
  • Lebensstile
  • Medien
  • Verhütung
  • Geschlechtskrankheiten
  • sexuelle Rechte
  • Berufsspezifische Themen

Zyklus 2

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Die Schüler:innen…

…setzen sich mit dem Zusammenhang von Freundschaft, Liebe und Sexualität auseinander.
…können Qualitäten von Freundschaft und Liebe beschreiben (z.B. Zuneigung, Vertrauen, Gleichberechtigung)
… können über die zukünftige Entwicklung zu Frau und Mann nachdenken
… können Veränderungen des Körpers mit angemessenen Begriffen benennen. (Stimmbruch, Menstruation)
… verstehen Informationen zu Geschlechtsorganen, Zeugung, Befruchtung, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt. (Bau und Funktion der Geschlechtsorgane)
… erhalten die Möglichkeit Fragen und Unsicherheiten bezüglich Sexualität zu äussern
… können Geschlechterrollen (z.B. Merkmale, Stereotypen, Verhalten) beschreiben und hinterfragen sowie Vorurteile und Klischees in Alltag und Medien erkennen
… können Vor- und Nachteile direkter Erfahrungen, durch Medien oder virtuell vermittelter Erfahrungen benennen und die persönliche Mediennutzung begründen.

Folgende Themen ergeben sich aus den Kompetenzen des Lehrplan 21:

  • Pubertät (körperliche Veränderungen)
  • Menstruation
  • Erektion
  • erster Samenerguss
  • erster Kuss
  • Verliebtsein, Liebe
  • Beziehungen
  • Bedeutung von Sexualität
  • Pornografie: Umgang und Informationen
  • sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität
  • sexuelle Lust
  • Solosexualität (Selbstbefriedigung)

Zyklus 1

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Schüler:innen…

… können Unterschiede im Körperbau von Mädchen und Knaben mit angemessenen Begriffen benennen.
… können anhand von Beispielen Rollenverhalten beschreiben und vergleichen.

Folgende Themen ergeben sich aus den Kompetenzen des Lehrplan 21:

  • Ich und mein Körper
  • Mädchen/Jungs
  • Gender
  • Freundschaft, Liebe