Wörter beeinflussen unser Denken

Jetzt! In diesem Moment wird mir beim Schreiben bewusst, dass die richtige Wortwahl entscheidend ist, damit du als Leser:in nachvollziehen kannst, was ich gerade sagen möchte. Wörter besitzen Macht, sodass auch unser Denken, unser Verhalten und die Gefühle auf Wörter reagieren können. Dies beeinflusst schliesslich unser Erleben als Mensch. Infolgedessen ist es mir heute besonders wichtig, die korrekten Begriffe für meine Gedanken zu finden.
In Anlehnung an meinen letzten Blogbeitrag zum Thema „Wie kann ich mein Genital kennenlernen?“, befasse ich mich gegenwärtig mit unseren Geschlechtsorganen. Der Fokus liegt in diesem ersten Blogteil auf den weiblichen* Genitalien. In einem zweiten Teil, thematisiere ich die männlichen* Komponenten. Ich beleuchte im Wesentlichen die Begriffe, welche von vielen Menschen mit fragwürdigen Wörtern bezeichnet werden und endlich überdenkt werden müssen.

Die Vulva

Das weibliche* Genital wird als Vulva bezeichnet. Damit ist der gesamte äussere Teil des Genitals gemeint. Der innere Teil der Vulva besteht aus: Eierstöcken, Eileiter, Gebärmutter mit Gebärmutterhals und der Vagina. Die Vulva besteht jedoch noch aus weiteren Teilen, welche ich nachfolgend erwähnen möchte.
Während den Therapiegesprächen in meiner Praxis in Basel, wird mir immer wieder bewusst, dass die Bezeichnungen „Vulva“ noch lange nicht bei allen Menschen angekommen ist.
In diesem nachfolgenden Bild, werden die äusseren Komponenten der Vulva abgebildet und benannt:

eine Abbildung des Intimbereichs einer Frau mit Beschreibungen

Was machen diese Wörter mit dir? Sind sie dir fremd? Oder kennst du sie schon?
Als Mensch, Mutter und Sexologin ist es ein zentrales Anliegen diese abgebildeten Begriffe (siehe Bild) in meinem Wortschatz zu verwenden. In der Realität begegne ich jedoch oftmals den Wörtern "Scheide", "Schamlippen", "Jungfernhäutchen", "grosse" und "kleine" "Schamlippen" oder "Schambein".
Wofür stehen diese Wörter?

Quelle: Homepage von vielma

Hier meine Erläuterungen dazu:
Die Scheide meint die Vagina, die schlauchartig aufgebaut und mit Schleimhäuten ausgestattet ist. Sie verbindet den Gebärmutterhals mit der Gebärmutter. Die Öffnung der Vagina ist mit einem Hautsaum (vulvinale Korona) versehen und gehört noch zur Vulva. Viele unter euch kennen wohl die Bezeichnung „Jungfernhäutchen“. Damit ist gemeint, dass es sich um ein angebliches „Häutchen“ bei der Vagina handelt, welche beim ersten penetrativen Sex durchtrennt oder durchstossen wird-diese Meinung ist weitverbreitet. Dazu gehört meistens auch die Vorstellung, dass Blut vorkommen muss. Dieses Siegel ist jedoch mit viel Druck und Scham verbunden.
Der Mythos des Jungfernhäutchens beschreibt, dass die Gegebenheit dieses „Deckels“ schliesslich ein Zeichen der Jungfräulichkeit ist.
Fakt ist, dass es sich um eine elastische Umrahmung handelt, und weniger um ein Häutchen, welche sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.

Das nachfolgende Bild soll dies veranschaulichen:

eine Abbildung verschiedener Ausprägungen des Jungfernhäutchens
Quelle: What Exactly is…?

Kommen wir zum nächsten Begriff: „Schamlippen“. Es ist ein Wort, das unser Denken von den weiblichen* Geschlechtsorganen negativ beeinfluss. Es ist mit dem Wort „Scham“ verbunden, also müssten sich Menschen dafür schämen? Dann wird meistens noch zwischen den grossen und kleinen Schamlippen unterschieden. Was ist, wenn die eigentlich „kleinen“ Schamlippen jedoch bei einer Frau* eher gross sind? Ist sie dann abnormal?
Ich empfehle hier folgende Begriffe, um keine negativen Konnotationen damit zu verbinden: äussere und innere Vulvalippen.

Und schliesslich das Schambein, das in unserem Becken liegt. Im Zuge meiner sexologischen Ausbildungen bin ich auf das Wort „Freudenbein“ gestossen, das mich bis heute schmunzeln lässt und mir als Begriff sehr entgegenkommt.

Was würden wohl unsere Geschlechtsorgane dazu sagen, wenn sie wüssten, dass sie auch anders bezeichnet werden können? Würde sich der Solosex anders anfühlen?
Würden deine Finger oder dein Sextoy etwas anderes erleben?
Wie wir Körperteilen begegnen beeinflusst unser Denken, und unser Denken beeinflusst unser Erleben! Ganz einfach! Oder?

ein Portrait von Melina Dobroka

Melina Dobroka, Sexologin, Basel

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Zyklus 3

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Die Schüler:innen…

… kennen Anlaufstellen für Problemsituationen (z.B. Familie, Schule, Sexualität, Belästigung, Gewalt, Sucht, Armut) und können sie bei Bedarf konsultieren. (Beratung, Therapie, Selbsthilfe)

… kennen psychische Veränderungen in der Pubertät (z.B. verstärkte Scham und Befangenheit, veränderte Einstellung zum eigenen Körper, erwachendes sexuelles Interesse) und wissen, dass diese zur normalen Entwicklung gehören

… können Erfahrungen und Erwartungen in Bezug auf Geschlecht und Rollenverhalten in der Gruppe formulieren und respektvoll diskutieren (z.B. Bedürfnisse, Kommunikation, Gleichberechtigung).

… können Darstellungen von Männer- und Frauenrollen sowie Sexualität in Medien auf Schönheitsideale und Rollenerwartungen analysieren und Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung kritisch betrachten.

…reflektieren eigene Erwartungen und Anspruche in ihrem Umfeld an Beziehungen, Freundschaften, Partnerschaft und Ehe.(Freundschaft, Partnerschaft, Ehe)

… verbinden Sexualität mit Partnerschaft, Liebe, Respekt, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung und können sexuelle Orientierungen nichtdiskriminierend benennen. (Hetero-, Homosexualität)

… kennen ihre Rechte im Umgang mit Sexualität und respektieren die Rechte anderer. (Selbstbestimmung, Schutzalter, sexuelle Orientierung, Schutz vor Abhängigkeit und Übergriffen)

… können Verhaltensweisen und ihre Auswirkungen im Bereich Sexualität kritisch beurteilen. (Risiken, Übergriffe, Missbrauch, Pornografie, Promiskuität, Prostitution)

… verfügen über ein altersgemässes Grundwissen über die menschliche Fortpflanzung, sexuell übertragbare Krankheiten und Möglichkeiten zur Verhütung.

… kennen die Wirk- und Anwendungsweise verschiedener Mittel und Methoden zur Empfängnisverhütung und können deren Risiken und Nebenwirkungen vergleichen

… kennen Krankheiten, die häufig sexuell übertragen werden, und können erläutern, wie man sich davor schützt.

… wissen um die Verantwortung beider Geschlechter für Empfängnis und Verhütung.

…kennen altersgemässe Medien und Informationsquellen zur Sexualaufklärung.

…können Chancen und Risiken der Mediennutzung benennen und Konsequenzen für das eigene Verhalten ziehen (z.B. Vernetzung, Kommunikation, Cybermobbing, Schuldenfalle, Suchtpotential).

Folgende Themen ergeben sich aus diesen Kompetenzen:

  • Gruppenzwang
  • Pornografie: Umgang und Gefahren
  • Medien
  • Verhütung
  • Geschlechtskrankheiten
  • erstes Mal
  • weitere

Themen für weiterführende Schulen:

  • Beziehungen
  • Lebensstile
  • Medien
  • Verhütung
  • Geschlechtskrankheiten
  • sexuelle Rechte
  • Berufsspezifische Themen

Zyklus 2

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Die Schüler:innen…

…setzen sich mit dem Zusammenhang von Freundschaft, Liebe und Sexualität auseinander.
…können Qualitäten von Freundschaft und Liebe beschreiben (z.B. Zuneigung, Vertrauen, Gleichberechtigung)
… können über die zukünftige Entwicklung zu Frau und Mann nachdenken
… können Veränderungen des Körpers mit angemessenen Begriffen benennen. (Stimmbruch, Menstruation)
… verstehen Informationen zu Geschlechtsorganen, Zeugung, Befruchtung, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt. (Bau und Funktion der Geschlechtsorgane)
… erhalten die Möglichkeit Fragen und Unsicherheiten bezüglich Sexualität zu äussern
… können Geschlechterrollen (z.B. Merkmale, Stereotypen, Verhalten) beschreiben und hinterfragen sowie Vorurteile und Klischees in Alltag und Medien erkennen
… können Vor- und Nachteile direkter Erfahrungen, durch Medien oder virtuell vermittelter Erfahrungen benennen und die persönliche Mediennutzung begründen.

Folgende Themen ergeben sich aus den Kompetenzen des Lehrplan 21:

  • Pubertät (körperliche Veränderungen)
  • Menstruation
  • Erektion
  • erster Samenerguss
  • erster Kuss
  • Verliebtsein, Liebe
  • Beziehungen
  • Bedeutung von Sexualität
  • Pornografie: Umgang und Informationen
  • sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität
  • sexuelle Lust
  • Solosexualität (Selbstbefriedigung)

Zyklus 1

Kompetenzen aus dem Lehrplan 21

Schüler:innen…

… können Unterschiede im Körperbau von Mädchen und Knaben mit angemessenen Begriffen benennen.
… können anhand von Beispielen Rollenverhalten beschreiben und vergleichen.

Folgende Themen ergeben sich aus den Kompetenzen des Lehrplan 21:

  • Ich und mein Körper
  • Mädchen/Jungs
  • Gender
  • Freundschaft, Liebe